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Mittwoch |
25.10.2006 |
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| Audit: Vermüllter Schreibtisch |
Auf WDR 2 läuft gerade eine Leserbefragung zum Thema “Vermüllter Schreibtisch”. Ein Anrufer schlug ein Audit, also eine interpratative Analyse der Situation vor. Ich möchte diesen Vorschlag hier erweitern: ein Unternehmensberater muss her.
1. Schritt: Wahl des Unternehmensberaters: Das ist ganz einfach. Der Manager kann einen beliebigen wählen. Die machen das alle. Wichtig: Bei der Auswahl sollte der Manager noch entscheiden, ob er gerne Jobs gefährden will oder nicht.
2. Schritt: Empirische Erhebung: Der Unternehmensberater macht eine Bestandsaufnahme, er schätzt also die fünf vorhandenen Schreibtisch. Das Ergebnis der Schätzung: Vier bis sechs vermüllte Schreibtische sind vorhanden
3. Schritt: Analyse: Der Unternehmensberater stellt fest, dass vier bis sechs vermüllte Schreibtische vorhanden sind und dass diese durchschnittlich zu 75 bis 85 Prozent einen vermüllten Charakter haben.
4. Schritt: Interpretation und Lösungsvorschlag: Da der Manger den Punkt Jobgefährdung in der Auftragsfrageliste des Unternehmensberaters angekreuzt hat, interpretiert der Unternehmensberater, dass durch aufgeräumte Schreibtische ein Einsparpotenzial von fünf Euro am Tag zu erzielen wäre. Diese Effizienzsteigerung würde exakt 0,1 Jobs überflüssig machen (wahlweise: 1 Job, 10, Jobs, 100 Jobs…). Der Lösungsvorschlag lautet: Schreibtische aufräumen und hinterher alle Mitarbeiter entlassen, weil sie aufgrund der Effizienzsteigerung unnötig werden.
5. Schritt: Bezahlung: Jetzt bekommt der Unternehmensberater noch zwei Millionen Euro Honorar, bei größeren Unternehmen noch ein bisschen mehr.
6. Schritt: Interner Kompromiss: Nachdem der Manager zunächst die Entlassung aller Mitarbeiter, dann nur noch der Bürokatze vorschlug, involvierte sich natürlich der Betriebsrat des Unternehmens. Ergebnis: Die Studie sei einseitig und unwissenschaftlich. Als Kompromiss wird deshalb nur noch der Stoffkater entlassen und als internes Ziel eine Aufräumungsqoute von 50 Prozent des Schreibtischs vereinbart. Die Erreichung dieser Quote überwacht ein zehnköpfiges, externes Expertengremium.
7. Schritt: Pleite: Da das Expertengremium viel Geld will und das Unternehmen sowieso schon nur 5 Euro auf dem Konto hatte aufgrund der hohen Honorare für den Unternehmensberater, meldet der Manager Insolvenz an. Ziel erreicht!
Tja, ein richtig fundiertes Audit hat schon seinen Sinn.
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