“Thomas liebt Stefanie” und auch Rolf schwört Bernd seine Treue “forever” - so steht es eingraviert auf zwei von mittlerweile mehr als 350 Vorhängeschlössern an der Kölner Hohenzollerbrücke. Ein Brauch für Verliebte, der vermutlich von Rom in die Rheinmetropole geschwappt ist.
“Mensch, das sind echt viele.” Ein junger Mann mit großem Rucksack beugt sich zum Gitter und nimmt ein kleines rotes Vorhängeschloss in die Hand, um die Inschrift zu lesen. “Stell dich mal links daneben.” Er schiebt seine Freundin vor das dicht mit Schlössern behange Gitter und macht ein Foto, während hinter ihr ein ICE vorbeirauscht. Danach nimmt er sie in den Arm und flüstert ihr etwas ins Ohr. Sie lachen beide, bevor sie weiter Hand in Hand in Richtung Kölner Dom schlendern.
Köln - die Stadt für Verliebte
Köln ist eine Stadt für Verliebte, an vielen Ecken. Zum Beispiel bei einer Gondelfahrt über den Rhein. In luftiger Höhe lässt sich nicht nur fantastisch die Aussicht genießen, sondern genau so gut küssen oder ein Liebesgeständnis machen. Auch ein Spaziergang am Rhein mit Domkulisse lässt beim Sonnenuntergang verliebte Herzen höher schlagen.
Bereits im letzten Sommer wurden die ersten “Liebesschlösser” an der Hohenzollernbrücke zwischen Altstadt und Messe gesichtet - und zunächst von Bahnmitarbeitern entfernt. Doch die Deutsche Bahn zeigt nun Herz und lässt die Liebessymbole hängen - mittlerweile mehr als 350. Es wird vermutet, dass der Brauch der “Liebesschlösser” aus Italien stammt. Die Milvische Brücke, die in Rom über den Tiber führt, ist schon seit Jahren beliebte Pilgerstätte für “Frisch-”, “Wieder-” oder “Immer-noch-Verliebte”. Als Symbol ihrer ewigen Liebe gravieren Paare ihre Namen in kleine Vorhängeschlösser, ketten diese an die Brücke und werfen den Schlüssel in den Tiber.
Schlösser als Symbol für Verliebte in Köln
Nun ist diese Tradition auch in Köln angekommen. Auf manchem Meter des gewellten grünen Gitters zwischen Fußweg und Bahngleisen ist kaum noch ein freier Platz. Winzige Schlösser von Tagebüchern hängen fest gekettet neben massiven Messingschlössern mit langem, silbernem Bügel, dazwischen leuchten vereinzelt farbige, meist knallrote Schlösser. An einem kleineren, goldenen Schloss mit der Gravur “Sophie & Tim in love” steckt eine vertrocknete rote Rose, an einem anderen flattert eine festgeknotete rote-weiße Schleife. Die meisten Schlösser sind mit Namen, Initialen oder einfach nur einem Datum graviert. Auf einigen stehen die Namen der Verliebten mit schwarzem Filzstift, auf manche wurden kleine rote Herzen gemalt.
Auch der Rikschafahrer, der mit zwei japanische Touristen auf der Brücke fährt, hält vor einem dicht behangenen Gitter. Mit Blick auf seine Kundschaft zeigt er auf die Schlösser und redet. Der Japaner hält alles auf Video fest, während seine weibliche Begleitung ein Foto nach dem anderen schießt. Kölns neues Plätzchen für Verliebte - schon längst auch eine neue Touristenattraktion.
Dies ist eine Reportage der Seminarteilnehmer des Kurses Onlineredaktion 11 am mibeg-Institut.
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