Der ICE verringert die Geschwindigkeit, fährt vorbei an den zwei wartenden Autos vor der rot-weiß gestreiften Schranke und hält dann am Gleis 3. „Der muss warten, jetzt fährt erst der Güterzug”, ruft Maurice und wechselt an den zweiten Drehschalter von links. Felix sagt mit ernster Miene: „Aber erst müssen alle aussteigen und in den Bahnhof gehen.” Die beiden Kinder spielen an der Modelleisenbahnanlage der Shoppingmeile im Kölner Hauptbahnhof.
In der Mitte der Eingangshalle des Bahnhofs thront der Info-Point der Deutschen Bahn. Von allen Seiten strömen Menschen kreuz und quer in die Halle hinein und hinaus. Jeder im eigenen Tempo, mit mehr oder weniger Gepäck, allein oder in Gruppen. Über allem wabert ein Geräuschemix aus Stimmen in verschiedenen Tonlagen und Lautstärken, quietschenden Zugbremsen und knarzenden Lautsprecher-Durchsagen, begleitet von einer Duftmischung aus Bratwurst, Lakritz und Parfüm.
“Shoppen und Schlemmen - 365 Tage im Jahr” in den Colonaden
Hier, direkt unter der Gleisebene der Fern- und Regionalzüge, gibt es seit März 2000 die fünf Passagen der Colonaden mit über 70 Einkaufs-, Gastronomie- und Dienstleistungsbetrieben. Die Passagen A und B verlaufen längs zwischen dem Haupteingang am Dom und dem rückwärtigen Ausgang am Breslauer Platz. Quer dazu liegen drei verbindende Passagen. Auf Passage D an der Domseite folgt erst C, dann E. Walter Groscheck vom Centermanagement stutzt: “Diese unübliche Reihenfolge der Benennung muss wohl im Laufe der Planung so entstanden sein.”
Der Angebotsumfang der Colonaden entspricht dem einer Kleinstadt. Ein Buch- und Zeitschriftenhändler, an drei verschiedenen Standorten vertreten, bietet im Hauptladen das Vollsortiment einer Buchhandlung. “Wir haben hier nicht nur Laufkundschaft, sondern auch zahlreiche Stammkunden”, berichtet die etwa 35-jährige Buchhändlerin Anita Wandzeck. Das ist im Frisörladen, ein paar Eingänge weiter, anders: “Zu uns kommen vor allem Reisende und Messebesucher. Ich mag gerade diese Abwechslung, es ist mir lieber, als jede Woche Frau Müller mit der gleichen Frisur “, so Elvira Zorbas, die seit drei Jahren hier angestellt ist und gerade eine Pause hat, weil niemand ihre Dienste in Anspruch nimmt.
Die Markthalle der Colonaden - ein Genuss für die Sinne
Wer vom Betrachten der bunten Auslagen, von der Anprobe im Bekleidungs- oder Schuhgeschäft, von der Beratung zur Auswahl des passenden Mobiltelefons durstig und hungrig geworden ist, hat in der Markthalle der Passage C die Qual der Wahl. Italienisch, amerikanisch oder gut bürgerlich? Kartoffelgericht oder Fisch? Geschmückt mit Papierfähnchen in den Farben Österreichs und der Schweiz bietet ein Stand Alpenländische Küche an. Japanisch speisen kann man an grellgrünen Kunststofftischen, über den Sitzbänken hängen elektronische Bildrahmen, die ein stilisiertes Bambusmotiv in wechselnden Farben anzeigen.
Beim Vorbeischlendern an der Kaffeebar, die von einer riesigen glänzend roten Espressomaschine dominiert wird, lockt der intensive Geruch der frisch gemahlenen Bohnen. Schräg gegenüber, an der Glastheke mit italienischem Eis, das kunstvoll in Muster gespritzt in silbernen Metallschalen gekühlt wird, stehen drei ältere Frauen und gönnen sich eine Eiskugel im Hörnchen.
Ein Mix aus Dienstleistung und Unterhaltung in den Colonaden
In den Querpassagen D und E dominieren die zahlreichen Dienstleistungsangebote. Das Servicezentrum der Deutschen Bahn, ein Reisebüro, eine Autovermietung und sogar ein Checkin-Schalter der Lufthansa, 2 Paketstationen der DHL, eine Bankfiliale neben einer Lottoannahmestelle, dazwischen der Eingang in ein Hotel, das Zimmer mit Gleisblick bietet.
Das Schönste in der Passage E aber ist ein Glaskasten von etwa zwei mal drei Metern, der auf einem Sockel mit Metallbeinen befestigt ist. Finden jedenfalls Maurice und Felix, die gerade wieder einen Euro in den Schlitz neben den Bedienschaltern der Modelleisenbahnanlage werfen. Für diesen Einsatz können sie 14 Runden fahren und dabei zwischen vier verschiedenen Zugmodellen wählen: ICE, Personenzug, D-Zug und Güterzug. Zwischen Häusern und Gärten im Miniaturformat winden sich die Schienen, die auf etwa 30 Zentimeter Länge in einem begrünten Tunnel verschwinden. Überall sind Menschenpüppchen zu sehen, auf Weiden aus getrocknetem Moos winzige Kühe und Pferde. An der Hauptstraße des aufgebauten kleinen Ortes steht ein Haus in Flammen, auf der Straße davor blinkende Rettungsfahrzeuge. Aus dem Dachstuhl, der nur noch in Resten vorhanden ist, weht eine schwarzrot gefärbte Watte-Rauchfahne, die beleuchtet ist.
„Jetzt kann der ICE wieder eine Runde fahren, der Lokführer vom Güterzug hat Pause”, informiert Felix seinen Freund Maurice.
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Am 14. April 2010 um 23:31 Uhr
Hi, netter Post aber wie adde ich den denn zu meinen RSS Feeds? Bin ich zu bloed?