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Donnerstag |
06.01.2005 |
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| Zum Glück nicht die Steuervorteile gesichert? |
Kapitallebensversicherungen wurden kurz vor dem Jahreswechsel 2004/2005 wie Sauermilch in den Anlagemarkt gedrückt. Ich selbst habe im November/Dezember im Durchschnitt mindestens ein Angebot pro Tag per E-Mail, Post oder Telefon erhalten. Steuervorteile sichern schrie es immer in mehr oder minder dicken Lettern aus den Briefen mehr oder minder bekannter Versicherungsunternehmen, Banken, Strukturvertriebe oder Versicherungsvertreter. Einige Unternehmen verhängten sogar schon Mitte Dezember einen Annahmestopp für Neuverträge ein guter Trick, um den Run auf das Produkt in den letzten beiden Jahreswochen noch einmal kräftig anzuheizen. Außerdem wurden Kinder und Auszubildende - ja sogar Babys - als mögliche Neukunden massiv umworben.
Und nein obwohl offensichtlich die komplette beratende Finanzwelt die Kapitallebensversicherung für ein super Produkt hält und uns die Aufforderung zum Abschluss ständig penetrant eingehämmert wurde: Sie ist trotz Steuererleichterung (die ja nun glücklicherweise seit dem 1. Januar 2005 nicht mehr gilt) eine schlechte Form der Altersvorsorge. Zum Glück haben Sie sich NICHT die Steuervorteile gesichert? Gründe gegen die Kapitallebensversicherung gibt es jedenfalls genügend:
- Fehlende Transparenz: Kapitallebensversicherungen sind ein so genanntes Koppelprodukt. Ein Teil der Geldeinlage wird in einen Sparplan zur Altersvorsorge investiert, ein anderer Teil in die Todesfallversicherung. Auch die Verwaltungskosten verzehren Geld. Wie hoch die jeweiligen Anteile sind, bleibt jedoch unüberprüfbar. Damit ist aber auch nicht klar, wie viel des Geldes tatsächlich in den Sparplan fließt. Eins ist jedoch sicher: Je älter ein Anleger beim Abschluss ist, desto teurer wird die Todesfallversicherung und ihr Anteil an der monatlichen Prämie.
- Hohe Abschlusskosten: Werfen Sie mal einen Blick in die Rückkaufwerte Ihrer Kapitallebensversicherung. In den ersten beiden Jahren erhalten Sie so keinen einzigen Euro zurückgezahlt, wenn Sie den Vertrag vorzeitig kündigen müssen. Das sind beispielsweise bei einer monatlichen Einzahlrate von 50 Euro 1.200 Euro, die Sie umsonst investiert haben. Und: Erst nach etwa acht Jahren Einzahldauer erhalten Sie den eingezahlten Wert Ihrer Kapitallebensversicherung ausgezahlt. Wohlgemerkt: Sie haben keinerlei Rendite mit Ihren Einlagen erzielt, noch nicht einmal die Inflation ausgeglichen. De fakto haben Sie also sogar einen realen Verlust erlitten. Der Grund dafür: Sie bezahlen in den ersten Jahren die hohen Abschlusskosten der Kapitallebensversicherung ab, sprich: die Provisionen der Verkäufer. Wen wundert es da noch, dass viele Versicherungsvertreter und Bankberater die Kapitallebensversicherung immer gerne empfehlen?
- Fehlende Flexibilität: Etwa 50 Prozent der Kapitallebensversicherungen werden nach Schätzungen von Verbraucherschützern gar nicht bis zum Ende der Laufzeit geführt, also vor dem Rentenbeginn wieder verkauft. Gründe gibt es viele: Geänderte Lebenssituationen erfordern einen Zugriff auf das Geld, etwa Arbeitslosigkeit, Kinder, Ehescheidung oder der Hausbau. Das Produkt ist dann aber oft nur unter hohen Verlusten verkaufbar.
- Undurchsichtige Gewinnausschüttung: Die Versicherer argumentieren mit einem Garantiezins und mit einer Überschussbeteiligung. Der Garantiezins wird auf jeden Fall mit Ablauf des Vertrages ausgezahlt, er beträgt derzeit meist 2,75 Prozent, bei älteren Verträgen auch mehr. Der prognostizierte Überschuss wird ausgezahlt, wenn das Unternehmen erfolgreich wirtschaftet. Der angegebene Zins liegt derzeit häufig bei etwa vier bis sechs Prozent. Was gerne verschwiegen wird: Diese Verzinsungen gelten nur für den oben beschriebenen Sparanteil des Produkts. Sprich: Real ergibt sich eine Garantie-Verzinsung der Einlagen von etwa ein bis 1,5 Prozent, so Schätzungen von Verbraucherschützern. Auch die Prognoseverzinsung verringert sich entsprechend. Ob sie in der angegebenen Höhe jemals gezahlt wird, ist aber sehr fraglich. Denn:
- Kein konservatives Anlageprodukt: Kapitallebensversicherungen investieren nach Gutdünken das Geld der Anleger. Ob hochriskante Aktien oder relativ sichere Rentenpapiere: Der Anleger hat keinen Einfluss darauf und ihm wird auch keine Rechenschaft abgelegt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich auch Kapitallebensversicherer an der Börse verspekuliert haben es drohte sogar der Bankrott einiger Gesellschaften und damit das Risiko des Totalverlusts der Einlagen. Diese Unternehmen haben also überhaupt nicht erfolgreich gewirtschaftet… Und damit bewiesen: Eine Kapitallebensversicherung ist nicht immer ein sicherheitsorientiertes Anlageprodukt.
Jedes einfache Sparbuch bietet also bei wesentlich höherer Flexibilität, Transparenz und Sicherheit vermutlich eine bessere Garantieverzinsung als eine Kapitallebensversicherung.
Es ist außerdem immer eine schlechte Strategie, bestimmte Ziele (also in diesem Fall das Anlageziel mit dem Versicherungsziel) zu koppeln. Günstiger wäre es beispielsweise, einen möglicherweise notwendigen Todesfallschutz (etwa zur Absicherung der Kinder) mit einer wesentlich günstigeren und meist auch noch besser konditionierten Risikolebensversicherung abzudecken und das Geld zur Altersvorsorge je nach Anlageprofil in reine Anlageprodukte zu investieren.
Und: Wer mit seiner Kapitallebensversicherung auch noch Kredite abgesichert hat, dem wünsche ich die Gnade unseres Geldgotts, wenn dies auf Grundlage der prognostizierte Überschussverzinsung geschehen ist. Im besten Fall droht eine teure zweite Finanzierungsrunde. Außerdem ist das Versicherungsdarlehen im Vergleich zu anderen Darlehensformen regelmäßig sehr ungünstig.
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