Rudolf Mooshammer und Daisy, Paris Hilton und Tinkerbell haben es vorgemacht – jetzt erfreut sich Hundemode auch außerhalb der High Society wachsender Beliebtheit. Umstritten ist zwar, ob die Vierbeiner überhaupt Mäntel oder Schutzwesten brauchen. Immer mehr Hundeliebhaber hält das aber nicht davon ab, Ihren Liebling auf den letzten Stand der Hundemode zu bringen. Was ist also auf Deutschlands Laufstegen, pardon, Bürgersteigen en vogue?
Nicht nur in Münchens Schickeria-Szene galten sie als unzertrennlich: Modeschöpfer Rudolf „Mosi“ Mooshammer und seine Daisy – der Yorkshire Terrier, den „Mosi“ für alle öffentlichen Auftritte nicht minder aufwendig stylte als sich selbst. Auch Milliardärstochter Paris Hilton und ihr Chihuahua „Tinkerbell“ konkurrieren regelmäßig mit extravaganten Outfits um das Scheinwerferlicht.
Kleider machen Hunde
Doch nicht allein die Extravaganzen der Prominenten, sondern auch praktische Überlegungen führen immer mehr Deutsche dazu, ihren Hund passend einzukleiden. Der Dackel, der sich mit seinen kurzen Beinen nur wenige Zentimeter über dem Boden bewegt, der kurzhaarige Mops oder auch der betagte Schnauzer – wenn sie beim Gassigehen im Winter mitleidserregend zittern, läßt sich das Herz so manches Herrchens oder Frauchens erweichen. Der Gang in eine Hundeboutique oder der Einkauf bei einem Online-Shop für Hundemode ist dann nicht mehr weit.
Wie Wauwau “wow” wird
Ob es nun die Sorge um die Gesundheit oder einfach die Lust am Styling des Haustieres ist – immer mehr Hundebesitzer entscheiden sich, ihren Hund zumindest nicht das ganze Jahr über „nackt“ gehen zu lassen. Die Angebotsvielfalt ist inzwischen beeindruckend. Von der wasserabweisenden und isolierenden Schutzjacke „Skrylle“ über die altbewährte Yorkshire-Terrier-Hundeschleife bis zum neckischen Kaputzenpulli „Loverboy“ – für jeden denkbaren Geschmack und Bedarf gibt es heute das passende Kleidungsstück oder Accessoire für den Hund.
„Hund couture“
Unübersehbar ist, wie sehr die Hundemode menschelt: So spielen viele Entwürfe humorvoll mit dem Bild des Hundes als Menschen im Kleinen. Und dass Hundemode aus dem geliebten Vierbeiner auch ein veritables Statussymbol macht, ist in den USA oder Japan schon längst nicht mehr verpönt. Hundemodenschauen, wie sie regelmäßig nicht mehr nur in Weltmetropolen, sondern auch im nächstgelegenen Einkaufszentrum stattfinden, stellen die neuesten Trends vor.
Hundebekleidung: Fürsorge oder Spleen?
Dabei ist umstritten, ob Vierbeiner überhaupt eine „zweite Haut“ brauchen. Puristen bestehen darauf, daß sich ein Hund von selbst gegen die Witterung abhärtet. Allenfalls haarlose Sonderzüchtungen oder Hunde mit Hauterkrankungen bedürften unter Umständen eines Schutzmantels. Astrid Behr hingegen, Tierärztin des Bundesverbands praktizierender Tierärzte räumt ein: „Es muss immer individuell entschieden werden, ob Hundebekleidung für einen Hund notwendig ist, denn nicht jeder Kurzhaarhund friert und nicht jeder Langhaarhund hat genügend Unterwolle, die gegen Kälte und Nässe schützt“. Für Befürworter der Hundekleidung ist der Aufenthalt des Hundes im Freien längst vom Normalfall zur Ausnahme geworden, das Zusammenleben mit Menschen in deren vier Wänden die Regel. Ein solcher „Haushund“ ist weniger in der Lage, sich den wechselhaften Witterungsbedingungen von selbst anzupassen. Für den winterlichen Waldspaziergang kommt die Fleecejacke für den Vierbeiner da wie gerufen.
Do(g)-It-Yourself-Hundekleidung
Wem das Angebot der zahlreichen Hundeshops zu sehr ins Geld geht, der kann auch selbst aktiv werden. Die praktischen Ratgeber „Hundesachen selber machen“ der norwegischen Autorin Mette Syrstad Hoydal oder „Hundestrick: Kuscheliges für Vierbeiner“ der Dänin Sys Fredens geben Tips und Anleitungen, wie Herrchen und Frauchen selber mit wenig Geld die passende Hundekleidung anfertigen können. Hundemode aus eigener Handarbeit bietet sich auch gerade dann an, wenn dem eigenen Fiffi partout keine Hundejacke von der Stange passen will. Denn was nützt die schickste Hundemode, wenn der geliebte Vierbeiner darin nach wenigen Metern keinen Schritt mehr machen möchte?
Weniger ist mehr
Doch auch die funktionellste Hundekleidung stößt an ihre Grenzen, wenn es der Vierbeiner genauso wie sein zugehöriger Zweibeiner im Sommer so luftig wie möglich haben möchte. Und auch bei schlechter Witterung stört den Hund eine schlecht sitzende Hundejacke oft mehr, als sie ihm nützt. Wer dann trotzdem nicht auf modische Highlights an seinem Hund verzichten möchte, kann sich ebenfalls ein Beispiel an Mosi nehmen. Der brachte seine Daisy mindestens genauso oft zum Frisör wie sich selbst. Gekleidet war Daisy dann nur in ihr perfekt gestyltes Hundehaar. Als i-Tüpfelchen gab’s dazu dann nur noch eine sparsames Haarschleifchen.
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